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ISIS-Aufstieg und die Frage der sektiererischen Differenzen in der Region

Faleh Saleh

01.11.2015

 

Der Konflikt in der Region, der zum Aufstieg von ISIS geführt hat, ist nicht sektiererisch sondern rein politisch.
Die als schiitisch eigestufte Regierung in Syrien war gegen den Sturz der sunnitischen Regierung von Saddam Husein 2003. Sie hat die sunnitischen bewaffneten Gruppen unterstützt, die gegen die US-Armee und gegen die demokratisch neugewählte schiitische Regierung im Irak kämpften. Das schiitische Land Iran stand in dieser Frage auf der Seite Syriens.
Die Finanzierung der sunnitischen bewaffneten Gruppen kam hautsächlich aus den sunnitischen Ländern Saudi Arabien und den Golfstaaten. Sie lief zu einem großen Teil über Syrien, die als schiitisch eingestuft ist. Die arabischen Medien haben die sunnitischen bewaffneten Gruppen mit großangelegten Medienkampagnen unterstützt und zur Rekrutierung von immer mehr Jihadisten beigetragen.
Das schiitische Syrien hat seine Grenze für die Schleusung dieser sunnitischen Jihadisten aus aller Welt geöffnet, die zum bewaffneten Kampf gegen die schiitische Regierung im Irak einstürmten. Das Massakrieren von hunderttausenden Schiiten im Irak (manche Quellen reden sogar von mehr als einer Million schiitische Opfern) in den ersten 8 Jahren nach 2003 durch die sunnitischen bewaffneten Gruppen haben die schiitischen Nachbarländer als Kollateralschaden betrachtet. Ihre politischen Interessen standen vor ihrer religiösen Haltung.
Warum haben die Nachbarländer das getan?
Eine Stabilität der Lage im Irak lag nicht im Interesse aller Nachbarländer oder zumindest haben sie so gedacht und entsprechend gehandelt. Sie hätte zur Entwicklung von echten demokratischen Verhältnissen im Irak geführt. Dies könnte sich zu einer Demokratisierungswelle in der gesamten entwickeln, was zum Sturz ihrer Regierungen geführt hätte.
Die sunnitischen sowie die schiitischen Staaten der Region können geleichermaßen solche Entwicklung nicht zulassen. Eine demokratische Entwicklung stellt eine ernsthafte Gefahr für ihre totalitären Regime dar. Iran und Syrien wollten ein amerikanisches Präsens an ihrer Grenze (im Irak) mit allen Mitteln verhindern.
Es sind reine politische Interessen, die hinter der Haltung der sunnitischen und der schiitischen Länder der Region zum neuen Irak standen.
Die Frage der religiösen Zugehörigkeit hat keine Rolle gespielt.
Sie haben seitdem den Irak in einem Dauerzustand der Destabilisierung versetzt.
Dies bedeutet keinesfalls, dass die falsche US-Politik und die unerfahrene und korrupte irakische Politiker nicht ihren größten Teil dazu beigetragen haben.